100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Oberholz – Eine Chronik des Engagements, der Tradition und des Fortschritts
Die Gründungsjahre: Pioniergeist und bescheidene Mittel (1924–1939)
Am 5. März 1924 schrieben 51 mutige Männer aus Oberholz Geschichte: Sie gründeten die Freiwillige Feuerwehr Oberholz. An der Spitze standen Josef Böttinger als Wehrführer und Felix Reiter als sein Stellvertreter – beide prägten die Feuerwehr bis 1939. Noch im Gründungsjahr beschloss man, ein eigenes Feuerwehrhaus zu errichten. Der ideale Standort fand sich beim „Greinerbauer“. Da die Feuerwehr anfangs nur über ein Pferdegespann verfügte, wählte man bewusst einen erhöhten Standort, um Einsatzfahrten zu erleichtern. In der Zwischenkriegszeit war die Ausrüstung noch bescheiden: Bei Bränden kam lediglich eine Handpumpe zum Einsatz, die von den Kameraden mit Muskelkraft bedient wurde.
Ein erster Meilenstein gelang 1937 mit dem Ankauf der ersten Motorspritze von der Firma Gugg in Braunau. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1938 brachte eine Zäsur: Die Feuerwehr Oberholz wurde der Gemeindefeuerwehr Mehrnbach als Löschzug unterstellt. Erst 1946 erlangte sie ihre Selbstständigkeit zurück – ein wichtiger Schritt für die lokale Feuerwehrarbeit.
Neuanfang und Improvisation: Vom Wehrmachtsfahrzeug zur Tragkraftspritze (1947–1972)
Die Nachkriegszeit war geprägt von Improvisation und Erfindungsreichtum. 1947 erwarb die Feuerwehr ein Wehrmachtsfahrzeug vom Typ Steyr, das in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden zu einem einsatzfähigen Feuerwehrfahrzeug umgebaut wurde. Georg Stieglmayr führte die Feuerwehr von 1939 bis 1963 als Kommandant durch diese herausfordernde Zeit.
1952 feierte die Feuerwehr ihr 25-jähriges Bestehen mit einer feierlichen Fahnenweihe. Die historische Fahne ist bis heute gut erhalten und wird im Feuerwehrhaus in einem Glaskasten aufbewahrt – ein stummer Zeuge der Tradition. 1956 musste das reparaturanfällige Feuerwehrfahrzeug verkauft werden. Mit dem Erlös erwarb man eine moderne Tragkraftspritze VW 75 von der Firma Rosenbauer. Der alte Pferdegespann-Wagen wurde auf Traktorzug umgebaut und diente weiterhin als Spritzenwagen. Im Einsatzfall kam meist der Traktor des „Greinerbauers“ zum Einsatz – ein Symbol für die enge Verbindung zwischen Feuerwehr und lokaler Landwirtschaft.
Aufbruch in die Moderne: Jugendförderung und technische Innovation (1973–1990)
Die 1970er-Jahre brachten entscheidende Weichenstellungen. 1973 erwarb die Feuerwehr einen gebrauchten Land Rover von der Firma Auto Haag in Salzburg, der in Eigenregie zu einem Feuerwehrfahrzeug umgebaut wurde. Verantwortlich für den Ankauf und Umbau waren Franz Schwarzgruber und Franz Kreuzhuber. Doch die Feuerwehr setzte nicht nur auf Technik, sondern auch auf die Förderung des Nachwuchses: In dieser Zeit begann man mit dem Aufbau einer Jugendgruppe, die in den folgenden Jahren zahlreiche Erfolge feiern und viele Pokale gewinnen konnte.
Gleichzeitig wurde der Bau von Löschteichen im Einzugsgebiet vorangetrieben – eine Maßnahme, die die Wasserversorgung bei Bränden nachhaltig verbesserte. 1980 investierte die Feuerwehr in ein Notstromaggregat und moderne Beleuchtungskörper, um auch bei Stromausfällen handlungsfähig zu bleiben. 1981 ersetzte eine neue Tragkraftspritze Supermatik das alte Modell, und das Feuerwehrhaus wurde erweitert, um Platz für den selbstgebauten Tragkraftspritzenanhänger zu schaffen.
Doch der Platz wurde knapp: 1984 fiel der Beschluss für einen Neubau des Feuerwehrhauses. 1985 feierte man das 60-jährige Gründungsjubiläum, verbunden mit einem Abschnittsbewerb am Fußballplatz in Mehrnbach. 1986 begann der Rohbau für das neue Domizil – eine Herausforderung, die selbst der harte Winter mit einer dicken Eisschicht nicht stoppen konnte. 1989 konnte das Feuerwehrhaus vorläufig bezogen werden.
Technischer Fortschritt und Gemeinschaft: Vom LFB-A bis zum Maibaumfest (1990–2025)
Die 1990er-Jahre markierten den Eintritt in eine neue Ära. 1990 beschloss die Feuerwehr den Ankauf eines neuen Löschfahrzeugs (LFB-A, Steyr 10 S 18). Die alte Tragkraftspritze Supermatik wurde verkauft, und die Firma Rosenbauer stellte ein Leihgerät zur Verfügung. Gleichzeitig wurde eine Heumeßsonde in Dienst gestellt, die heute noch im Feuerwehrhaus aufbewahrt wird – wenn auch nicht mehr genutzt. Der treue Land Rover wurde verkauft, und als Übergangslösung diente ein Opel Blitz TLF 1000. Das alte Feuerwehrhaus wurde an die Familie Mitterbucher (Greinerbauer) übergeben und dient bis heute als Garage mit Werkstatt.
1992 war ein besonderes Jahr: Das neue Löschfahrzeug LFB-A wurde im Februar von der Firma Rosenbauer ausgeliefert. Die Freude war groß – jeder wollte mit dem modernen Fahrzeug eine Runde drehen. Das LFB-A ist bis heute im Dienst, auch wenn es in die Jahre gekommen ist und sehnsüchtig auf einen Nachfolger wartet. Gleichzeitig übernahm die Feuerwehr die Tragkraftspritze FOX 1, die ebenfalls noch im Einsatz ist.
1993 erfolgte die Einweihung des neuen Feuerwehrhauses sowie die Segnung des LFB-A. 1995 feierte die Feuerwehr ihr 70-jähriges Bestehen, verbunden mit einem Bezirksfeuerwehrfest und -Bewerb am Mehrnbacher Sportplatz.
Die Modernisierung ging weiter: 1996 nahm man ein neues, leistungsstärkeres Notstromaggregat mit 8 kW in Betrieb. 1997 begannen Umbau- und Dachgeschossausbauten am Feuerwehrhaus. 1998 erwarb die Feuerwehr einen VW-Bus, der zu einem Mannschaftstransportfahrzeug (MTF-A) umgebaut und 1999 in Betrieb genommen wurde. Zuvor diente er als Rettungsfahrzeug.
Doch die Feuerwehr Oberholz war nicht nur für ihre Einsätze bekannt, sondern auch für ihre geselligen Feste. In den 1990er-Jahren wurde das berühmt-berüchtigte Kellerfest im Wirtshaus „zur Alm“ gefeiert. Wenn die Band „Skybirds“ aufspielte, war das Fest restlos ausverkauft. In den 2000er-Jahren stellte die Feuerwehr beim Wirt einen Maibaum auf, verbunden mit einem großen Maibaumfest. Die Aussicht auf der „Alm“ zog zahlreiche Besucher an – ein echtes Unikat.
2011 musste das MTF-A aufgrund eines Motorschadens ersetzt werden. 2012 wurde ein neuer Renault Trafic am Sportplatz feierlich eingeweiht. Zahlreiche Feuerwehren der Umgebung folgten der Einladung, und man feierte gemeinsam die Indienststellung des neuen Fahrzeugs.
100 Jahre Feuerwehr Oberholz: Tradition und Freundschaft (2024–2027)
2024 war ein besonderes Jahr: Zur Erinnerung an die 100-jährige Gründung wurde ein neues Fahnenband eingeweiht, das an die ersten 100 Jahre der Feuerwehr erinnern soll. Noch im selben Jahr besuchte die Feuerwehr Oberholz die Feuerwehr Oberholz aus Neustadtl an der Donau (NÖ), die ebenfalls ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Die beiden Feuerwehren hatten sich bereits über das Internet angefreundet, und so kam es im Juni endlich zu einem persönlichen Aufeinandertreffen.
Die Zukunft ist bereits geplant: 2027 wird in Oberholz der Bezirksnassbewerb bei der Familie Ametsreiter (Seppenbauer) in Doppelhub stattfinden – der erste Bewerb auf Oberholzer Gebiet.
Fazit: „Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr!“
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Oberholz ist eine Geschichte von Einsatzbereitschaft, Gemeinschaft und technischem Fortschritt. Von den bescheidenen Anfängen mit einer Handpumpe bis hin zu modernen Löschfahrzeugen und einer erfolgreichen Jugendgruppe hat sich die Feuerwehr stets den Herausforderungen der Zeit gestellt. Die Kameradinnen und Kameraden von heute stehen auf den Schultern der Gründergeneration – und schreiben die Erfolgsgeschichte weiter.
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